Ideologie? Panik­mache? Oder doch ganz anders?

09.09.2025

Manchmal bekommt man als Besucher von Sitzungen der Gemein­de­ver­tre­tung den Eindruck, dass die Einwoh­ner­fra­ge­stunde nicht jeder­manns Sache ist. Oder wie muss man den Artikel der CDU Schaaf­heim aus der vergan­genen Woche einordnen? Ich stelle mir schon seit geraumer Zeit die Frage, warum während der Frage­stunde über­wie­gend Wort­mel­dungen zu sozialen Themen und zum Umwelt­schutz erfolgen. Könnte es sein, dass diese Belange der Bürge­rinnen und Bürger bislang viel zu unter­re­prä­sen­tiert sind?

Als Bürger dieser Gemeinde habe ich, Sebastian Urban, zur Einwoh­ner­fra­ge­stunde am 01.09.2025 zwei Fragen zum Thema „Klima-Kommune Schaaf­heim“ einge­reicht. Da ich bisher wenig davon gehört hatte, dass Schaaf­heim sich dieser Initia­tive bereits im Jahr 2021 ange­schlossen hat, wollte ich mehr erfahren, als auf der offi­zi­ellen Website (klima-kommunen-hessen.de) zu finden ist. Mit großer Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass sich der Bürger­meister sehr ausführ­lich mit der Beant­wor­tung meines Anliegens beschäf­tigt hatte und die Projekte aufzählte, die die Gemeinde Schaaf­heim in den letzten Jahren bereits in Angriff genommen hat. Bisher wenig „Insze­nie­rung“ von der die CDU letzte Woche schrieb. Im Gegenteil: der Bürger­meister erhielt sogar Gele­gen­heit, sich klima­po­li­tisch zu präsentieren.

Meines Erachtens steht es unserer Gemeinde sehr gut zu Gesicht, offen und trans­pa­rent für Klima­schutz und Klima­an­pas­sung einzu­treten. Hier deckt sich meine Auffas­sung mit dem Selbst­ver­ständnis unseres Grünen Orts­ver­bandes. Dieser hat im letzten Jahr ordent­lich Zulauf bekommen. Es begeis­tert mich, dass wir bei vielen Menschen mehr Interesse für Lokal­po­litik wecken konnten, z.B. durch unseren regel­mä­ßigen „Treff­punkt: Austausch!“. Inter­es­sierte Menschen besuchen Sitzungen und stellen eben Fragen. Ehrliches Interesse muss nicht insze­niert werden. Wäre es nicht großartig, wenn auch die anderen Parteien mehr Begeis­te­rung für Kommu­nal­po­litik auslösen könnten? Damit würden die Fragen in der Bürger­frag­stunde ganz von allein vielschichtiger.

Voraus­schauen und Geld sparen

In den nächsten Wochen werden die Schaaf­heimer Grünen weiter über die Klima-Kommunen berichten. Uns fällt auf, dass viele Gemeinden in unserem direkten Umfeld sehr viel offen­siver mit Themen wie Hoch­was­ser­schutz, Hitze­schutz oder Klima­an­pas­sung umgehen und ähnliche finan­zi­elle Heraus­for­de­rungen zu stemmen haben wie Schaaf­heim. Wir halten es für dringend geboten, die lang­fris­tige Gemein­de­pla­nung um soziale und klima­po­li­ti­sche Themen zu erweitern, um auf mittlere Sicht mehr Geld einzu­sparen, als wir für kurz­fris­tige Maßnahmen aufwenden müssten. Von anderen Kommunen zu lernen, ist für uns das Mittel der Wahl.

Schaaf­heim fährt seit Jahr­zehnten „auf Sicht“, was die Gemein­de­ent­wick­lung betrifft. Für Gemein­de­pla­nung wird im Haushalt kein Geld bereit­ge­stellt. Dabei wäre es sinnvoll, sich darüber Gedanken zu machen, wie Radheim, Mosbach, Schlier­bach und Schaaf­heim in zehn oder zwanzig Jahren aussehen sollen – weit über Legis­la­tur­pe­ri­oden hinaus. Wir Grünen sind der Auffas­sung und setzen uns dafür ein, dass dies partei­über­grei­fend geschehen muss. Warum sollten nicht alle Parteien etwas Sinn­volles zur Entwick­lung der Gemeinde beitragen? Wirt­schaft­liche Entwick­lung, soziale Vertei­lung, Pflicht­auf­gaben und frei­wil­lige Leis­tungen stehen in jedem Wahl­pro­gramm und werden aus unter­schied­li­chen Denk­an­sätzen heraus präsen­tiert. Warum nicht einfach durch­mi­schen und schauen, wo die besten Ansätze mit den kosten­ef­fi­zi­en­testen Maßnahmen zu finden sind? „Man muss auch mal gönnen können“, sagte einst ein CDU-Minis­ter­prä­si­dent in einem Interview.

Nach der Debatte einander in die Augen schauen können

Für diese Zusam­men­ar­beit werben wir seit einigen Jahren regel­mäßig und wir werden darin nicht nach­lassen. Oft beein­flussen persön­liche Empfin­dungen die poli­ti­sche Debatte und verhin­dern einen offenen, konstruk­tiven Diskurs. Begriffe wie „funda­men­tale Oppo­si­tion“, „Ideologie“ und „Panik­mache“ zeugen eher von Unver­ständnis oder Anti­pa­thie und schaden dem demo­kra­ti­schen Mitein­ander in einem Kommu­nal­par­la­ment. Die Schaaf­heimer Grünen stehen für den Austausch, fordern Kritik ein und machen Vorschläge, um das best­mög­liche Ergebnis für die Bürge­rinnen und Bürger unserer Gemeinde zu erreichen. Spätes­tens im nächsten Parlament sollte es uns gelingen, während der Sitzungen um das richtige Ergebnis zu ringen, um danach bei einem Glas Wein wieder ganz normale Menschen zu sein, die mitein­ander lachen und sich in die Augen schauen können.

Autor: Sebastian Urban für die Grünen Schaafheim

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