Voraus­denken angesagt?

25.08.2026

Aus unserer Sicht war der Beschluss zum Klima­an­pas­sungs­kon­zept eines der wich­tigsten Themen auf der Tages­ord­nung der Gemein­de­ver­tre­tungs­sit­zung. Das vom Landkreis Darmstadt-Dieburg in Zusam­men­ar­beit mit den Kommunen über mehrere Jahre erar­bei­tete Konzept bietet einen klaren Überblick darüber, wie Mosbach, Radheim, Schlier­bach und Schaaf­heim im Vergleich zu anderen Kommunen vom Klima­wandel betroffen sind. Es iden­ti­fi­ziert Hotspots (Hitze­punkte) und Bluespots (von möglichen Stark­re­gen­er­eig­nissen besonders betrof­fene Punkte) in der Gemeinde und schlägt wichtige Maßnahmen vor, um unsere Heimat und die Menschen vor den Auswir­kungen des Klima­wan­dels zu schützen.

Klima­an­pas­sung funk­tio­niert nur im Zusam­men­spiel mit Klima­schutz. Denn ohne Klima­schutz müssen wir lang­fristig sehr viel mehr Kraft und Geld aufwenden, um uns an den Klima­wandel anzu­passen. Gleich­zeitig sollten wir beginnen, die Entwick­lung unserer Gemeinde lang­fristig voraus­zu­planen, weit über Legis­la­tur­pe­ri­oden hinaus und frei von poli­ti­schen Zwängen. Bei der Planung von Wohn- oder Indus­trie­ge­bieten müssen wir sehr viel mehr darauf hinwirken, dass weniger Flächen versie­gelt, öffent­li­cher Raum verschattet, Fassaden begrünt und kostbares Wasser aufge­fangen werden. Photo­vol­taik ist heut­zu­tage schon selbst­ver­ständ­lich. Wenn man lang­fristig denkt, ergeben sich Gele­gen­heits­fenster, die man nicht verstrei­chen lassen sollte. Denn sonst wird es richtig teuer. Die Rechnung zahlen wir dann alle gemeinsam.

Penny-Markt in Mosbach und Klimaanpassung?

Ein solches Gele­gen­heits­fenster hat sich gerade aufgetan. In Mosbach soll ein neuer Penny-Markt entstehen, der die Nahver­sor­gung in den kommenden Jahr­zehnten sichern wird. Für diesen Markt sollen etwa 6000 Quadrat­meter Fläche versie­gelt werden. Das Gebäude soll nach einem hohen ener­ge­ti­schen Standard (DGNB-Zerti­fi­zie­rung) errichtet werden, was wir positiv bewerten. In den Plänen des Betrei­bers findet sich jedoch kein Hinweis zu den oben erwähnten Vorsor­ge­maß­nahmen zur Klima­an­pas­sung. Deshalb hatten wir beantragt, die noch zu verhan­delnden Verträge um diese Punkte zu ergänzen: Regen­wasser muss aufge­fangen werden und so versi­ckern können, dass Über­schwem­mungen und die Über­las­tung der Kanäle möglichst vermieden werden. Versi­cke­rungs­fä­higes Stra­ßen­pflaster und mehr Bäume zur Verschat­tung schützen vor der Entste­hung einer Hitze­insel, die benach­barte Wohn­ge­biete beein­flussen würde. Während der konstruk­tiven Gespräche im Ausschuss stellte sich jedoch schnell heraus, dass unser erster Antrags­ent­wurf nicht mehr­heits­fähig sein würde. So hatten wir uns entschieden, unseren Antrag mit den gewon­nenen Infor­ma­tionen neu zu formu­lieren: „Der Gemein­de­vor­stand wird beauf­tragt, darauf hinzu­wirken, dass bei der weiteren Planung des Penny-Marktes in Mosbach […] lokal wirksame Maßnahmen zur Klima­an­pas­sung (gemäß Klima­an­pas­sungs­kon­zept) geprüft werden und nach Möglich­keit Berück­sich­ti­gung finden.“ – Unser Ziel bleibt es, das Thema Klima­an­pas­sung in den Fokus der Baumaß­nahme Penny-Markt zu rücken. Auch dies war, trotz der Bekennt­nisse aller Frak­tionen und des Bürger­meis­ters zur Klima­an­pas­sung, nicht von Erfolg gekrönt. Gele­gen­heits­fenster geschlossen!

Mehr mitein­ander reden

Kommu­nal­po­litik lebt vom Mitein­ander und den Ideen aller betei­ligten Akteure. Unser Antrag, einen regel­mä­ßigen Tages­ord­nungs­punkt „Verschie­denes“ in den Ausschüssen und der Gemein­de­ver­tre­tung zu etablieren, zielte genau darauf ab. Damit sich alle Frak­tionen früh­zeitig Gedanken machen konnten, haben wir den Antrag bereits Mitte Juli verschickt und um Verbes­se­rungs­vor­schläge gebeten.

Warum ist uns dieser Punkt wichtig? Nicht jede Idee, jeder Hinweis aus der Bevöl­ke­rung oder eine wichtige Infor­ma­tion ist gleich reif für einen offi­zi­ellen Antrag in der Gemein­de­ver­tre­tung. Vielmehr sollte man sich darüber kurz austau­schen und Heran­ge­hens­weisen disku­tieren. Daraus können sich ungeahnte Chancen der Zusam­men­ar­beit ergeben – lösungs­ori­en­tiert und kosten­ef­fi­zient eben. Dafür konnten wir nur die FWG gewinnen, die Koalition war dagegen. Unser lang­fris­tiges Ziel bleibt jedoch weiterhin, das Mitein­ander und die Kommu­ni­ka­tion in der Gemein­de­ver­tre­tung zu stärken.

Die FWG und der Windelantrag

Aus den Reihen der Freien Wähler gab es ein paar Anträge zu bespre­chen. Mit ihrem Antrag auf Bereit­stel­lung von Müll­sä­cken für Inkon­ti­nenz­ma­te­rial haben sie unseren Antrag aus dem Jahr 2024 teilweise erneut aufge­griffen. Selbst­ver­ständ­lich haben wir diesem Vorhaben zuge­stimmt. Da für uns jedoch die Argu­men­ta­tion, dass nur pfle­ge­be­dürf­tige, von Inkon­ti­nenz betrof­fene Menschen, finan­zi­elle Unter­stüt­zung benötigen, viel zu kurz greift, haben wir einen Ergän­zungs­an­trag einge­reicht. Wir sagen, auch junge Familien sind von hohen Kosten betroffen, sei es der neue Sockel­be­trag für Krip­pen­kinder oder Lebens­hal­tungs­kosten und Energie. Leis­tungen der Pfle­ge­kasse und Kinder­geld zielen immer nur auf Unter­stüt­zung bei der Beschaf­fung von Mitteln. Die Kosten für Entsor­gung werden in keinem Lebens­ab­schnitt mitbe­dacht. Mit dieser Haltung waren wir jedoch allein. Auch der Antrag der FWG wurde durch die Koalition von SPD und CDU abgelehnt. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Wir bleiben opti­mis­tisch und ermutigen Sie, Ihre Ideen und Anre­gungen aktiv in die Gestal­tung unserer Gemeinde einzu­bringen. Gemein­same Betei­li­gung stärkt den Zusam­men­halt und das Mitein­ander. Davon profi­tieren wir alle.

Von Robin Diehl und Holger Giebeler für die Fraktion der Grünen

 

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